Kristina Bangert, geboren 1972 in Wien, arbeitet seit den frühen 90er Jahren als freischaffende Künstlerin im Bereich der Darstellenden Kunst. Zunächst als Theater-und Filmschauspielerin, später auch im Bereich Performance und Regie. Die Malerei, das Modellieren und Zeichnen begleiten sie seit jeher. Sie zieht diese Kunstformen immer wieder für ihre Rollenarbeit heran, nähert sich so den zu entwickelnden Charakteren.
Aus dieser kreativen Auseinandersetzung entstehen während ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Bernhard-Ensemble als Performerin Plakatsujets für verschiedene Produktionen. Seit 2020 intensiviert sich ihre bildnerische Arbeit zunehmend.
„Ich empfinde es als große Befreiung, mich von Vorstellungen zu lösen, wie ein Bild werden soll. Ich lasse mich von Erlebtem inspirieren – insbesondere von Lichtstimmungen und Landschaften, von Empfundenem. Wenn ich dann vor dem Papier oder der Leinwand stehe, verabschiede ich mich möglichst von der Idee eines konkreten Ergebnisses und folge Bewegungen.
Im Laufe der Zeit hat sich so ein Repertoire an Bewegungsmustern herausgebildet: Kreise, Schlingen, Wellen. Die einzelnen Elemente lege ich in Schichten übereinander, verwebe sie. Teilweise dasselbe Formelement immer wieder, teilweise kombiniere ich verschiedene miteinander.
Anders als bei den dynamischen Bewegungsbildern geht es mir bei meinen Farbflächen um das Kreieren von Dichte und das Vermitteln von Weite. Sie ergeben sich durch das Erkunden von Farbkombinationen und das wiederholte Übermalen von Farbschichten – bis zu 10 Überfärbungen und mehr. Manchmal ist die erste Schicht ein Bewegungsbild, das durch Übermalungen zu einer ruhigen Farbfläche wird. Wie ein unverstellter Blick in die Ferne.
„September“ gehört zur Serie „Horizonte“. Die Arbeiten dieser Reihe entstehen auch durch das Übermalen von Bewegungsbildern. Je schneller ich die stimmige Farbkombination finde, umso deutlicher scheint das ursprüngliche Bilde durch. Zwischen den beiden Farbflächen belasse ich eine Linie, eine Spur, die vom alten Bild unverändert sichtbar bleibt. Sie bildet den Horizont. Dieses Bleibende ist wie die Vergangenheit an die wir uns erinnern, erinnernd sehen, auf die wir aber keinen Zugriff haben, ähnlich unerreichbar wie der Horizont.
Beim Plastizieren folge ich meinen Händen und lasse mich in das Material hineinziehen. Es formen sich Wesen heraus, die mitunter menschliche Züge in sich tragen und zugleich eingefangene Bewegung darstellen. Gestalten in Verwandlung, Anpassung, Beobachtung, Selbstbetrachtung. Hier verarbeite ich Themen wie Jugend, Alter, Weiblichkeit, Beziehung, einander Sehen und Hören, Begegnen. Meine Skulpturen sollen zum Berühren einladen.“